was ist gutes marketing?

einleitung.

WÜRDE ICH JEDES MAL EINEN EINFRÄNKLER BEKOMMEN, WENN MICH JEMAND ANGEWIDERT ANBLICKT, weil ICH ERZÄHLE, DASS ICH BERUFLICH UNTER ANDEREM MARKETING UND KOMMUNIKATION MACHE, WÄRE ICH NICHT REICH, aber ich könnte mir wahrscheinlich INZWISCHEN LOCKER DAVON EINE GUTE PIZZA LIEFERN LASSEN. VIELLEICHT AUCH ZWEI ODER DREI.

«AISTE, DU BIST DOCH VIEL ZU INTELLIGENT FÜR SOWAS!», BEKOMME ICH DANN OFT ZU HÖREN, MEIST BEGLEITET VON DER FRAGE, OB ICH MIR DENN NICHT SCHON MAL ÜBERLEGT HÄTTE, «MAL ETWAS RICHTIGES ZU MACHEN».

ICH MACHE IHNEN KEINEN VORWURF. wenn ich mich mit ihnen darüber unterhalte, wie sie sich denn den den alltag in meinem tätigkeitsfeld vorstellen, kommen oft nur zwei begriffe zurück: «werbung schreiben» und «leute manipulieren».

wäre das tatsächlich mein job, würde ich mich als mein freund auch warnen wollen. danke, freunde.

marketing und kommunikation haben allerdings mit «werbung» und «leute manipulieren» so wenig zu tun, wie die us-präsidentschaft mit der schliessung von nationalparks oder der schliessung von universitäten, wenn sie nicht das tun, was du möchtest: es ist nicht so, dass das niemals vorkommen würde. normal ist es allerdings nicht.

was ist marketing überhaupt?

es gibt aus zwei arten, wie man marketing definieren kann: die akademische und die reele.

die akademische umfasst dabei das verständnis davon, wie es in fachliteratur oder in der zusammenfassung davon auf wikipedia verstanden wird – und die reele, die beschreibt, wie es in der praxis von der mehrheit der menschen verstanden und gelebt wird.

bereits bei der akademischen ist die sache ganz einfach. wikipedia führt über vier verschiedene arten auf, wie marketing definiert werden kann. und jede davon ist ein wenig anders:

marketing: die Aktivitätsorientierte Definition

Eine aktivitätsorientierte Marketingdefinition versteht Marketing im Kern als ein Bündel marktgerichteter Unternehmensaktivitäten. sie entstand in den 1970er Jahren.

marketing: die beziehungsorientierte Definition

Die beziehungsorientierte Marketingdefinition legt den Schwerpunkt auf das ziel, Kundenbeziehungen aufzubauen, zu erhalten und zu stärken. es geht um die Erfüllung von Versprechen und damit auch um vertrauen. Die beziehungsorientierte Definition ersetzt nicht die aktivitätsorientierte Definition, sondern wirkt in Ergänzung zu ihr. sie entstand in den 1980er Jahren.

marketing: die führungsorientierte Definition

Die führungsorientierte Marketingdefinition sieht Marketing als bewusst marktorientierte Führung des gesamten Unternehmens und als marktorientiertes Entscheidungsverhalten in der Unternehmung selber. wichtig sind bei dieser Definition insbesondere die unternehmensinternen Rahmenbedingungen, die die Ausrichtung der Unternehmensaktivitäten am Markt prägen. sie entstand in den 1980-1990er Jahren.

marketing: die integrative Definition

Die integrative Marketingdefinition sieht Marketing als ein Konzept, das zwei Facetten hat: eine unternehmensinterne und eine unternehmensexterne. Die unternehmensexterne Facette definiert Marketing als die Konzeption und Durchführung marktbezogener Aktivitäten eines Anbieters bezüglich (potenzieller) Nachfrager seiner Produkte. die unternehmensinterne Facette wiederum besteht aus der Schaffung der Voraussetzungen im Unternehmen für die Durchführung dieser marktbezogenen Aktivitäten. Dies beinhaltet insbesondere die Führung des Unternehmens nach der Leitidee der Marktorientierung.

marketing: überfunktionale Definition

Marketing ist die konzeptionelle, bewusst marktorientierte Unternehmensführung, die sämtliche Unternehmensaktivitäten an den Bedürfnissen gegenwärtiger und potentieller Kunden ausrichtet, um die Unternehmensziele zu erreichen.

die realität folgt dieser differenzierung: jede person und jedes unternehmen hat eine andere vorstellung davon, was marketing ist und wie es gehandhabt werden soll. manchmal folgt es einer der offiziellen definitionen, meistens ist es jedoch ein individueller mix davon.

die grosse mehrheit versteht «marketing» und «kommunikation» jedoch als in sich geschlossene bereiche, die einen selbstzweck erfüllen. das deckt sich im grossen und ganzen mit der akdemischen aktivitätsorientierten definition aus den 70er jahren.

wenn ich beispielsweise davon gesprochen habe, für ein unternehmen das marketing und die kommunikationzu machen und dabei unter anderem die kanäle website, online ads und social media verwendet habe, verstanden die meisten darunter eine reine fachorientierte tätigkeit.

das bedeutet: wahrscheinlich habe ich mir überlegt wie eine «gute» website, eine «gute» online-anzeige oder ein «gutes» gehirnchemiefriteusenprofil aussehen könnten und habe sie entsprechend kreativ umgesetzt – so die vorstellung.

viele unternehmen – oder ihre marketingverantwortlichen – führen den bereich marketing und kommunikation oft ebenfalls nach dieser vorstellung

das liegt daran, dass marketing und kommunikation tatsächlich jahrelang mit grossem erfolg nach dem aktivitäts- und fachorientierten verständnis gehandhabt wurden. damals bestanden die vorhandenen mittel im bereich marketing aber in erster linie aus klassischer plakatwerbung, print-anzeigen und anderen dingen, die in sich geschlossene einheiten darstellten und deshalb auch tatsächlich problemlos so zum funktionieren werden konnten.

dann kam das internet – und damit auch verschiedene werkzeuge, die es vorhin noch nicht gab: websites, online anzeigen, social media, communities. und – am wichtigsten: jede menge an daten über das individuelle menschliche verhalten, die vorhin kaum oder nur schwer zu bekommen waren.

um damit umzugehen, haben die meisten menschen, die in diesem bereich tätig waren, ihre gewohnte art und weise zu denken einfach auf die digitale welt übertragen. ein beispiel:

früher

das unternehmen xyz vertreibt ein produkt oder eine dienstleistung. um menschen darauf aufmerksam zu machen, muss es werbung machen. dafür gestaltet es ein plakat und bezahlt dafür, dass dieses an gut frequentierten orten aufgehängt wird. es gestaltet auch kleine werbeanzeigen, die in der örtlichen zeitung gedruckt werden. weil das unternehmen besonders schlau ist, greift es auch regelmässig auf andere pr-aktionen zurück und pflegt kontakte zu den medien.

das unternehmen überlegt sich also in erster linie, wie es das plakat, für das es bezahlt, gestalten will, um sein ziel zu erreichen (= die menschen dazu zu bringen, das produkt oder die dienstleistung zu kaufen). es überlegt sich auch nach dem gleichen muster, wie es die anzeige für die zeitung gestalten sollte.

dafür greift es auf marketing- und kommunikationswissen zurück. dieses beinhaltet in erster linie informationen darüber, welche art von kommunikationsmitteln wie funktioniert (zb. «menschliche gesichter und farben sind sehr wichtig, um emotionen zu wecken»).

heute

zusammen mit dem internet sind verschiedene möglichkeiten aufgetaucht, die vorher so nicht existiert haben: social media plattformen, die möglichkeit, eine eigene unternehmenswebsite zu betreiben oder digitale werbeanzeigen auf fremden websites, social media plattformen und suchmaschinen zu schalten.

die möglichkeit, plakate oder eine print-anzeigen in einem print-magazin zu buchen existieren nach wie vor. sie sind jedoch sehr teuer: während man für ein plakat je nach ort und laufzeit locker mal 200’000 chf ausgibt, kann man die gleiche grafik als werbeanzeige auf social media schalten und erreicht dort die gleiche anzahl an personen – für nur 500 chf.

MAN WECHSELT ALSO DIE KANÄLE UND ÜBERLEGT SICH NEU STATTDASSEN WIE MAN DIE ANZEIGE AUF SOCIAL MEDIA GESTALTEN KANN, um das zu bewirken, was man möchte (= dass die menschen das produkt oder die dienstleistung kaufen) – gleich wie beim plakat früher, nur digital.

DAS MARKETING- UND KOMMUNIKATIONSWISSEN, AUF DAS DABEI ZURÜCKGEGRIFFEN WIRD («menschliche gesichter und farben sind sehr wichtig, um emotionen zu wecken») WIRD DABEI ERWEITERT. NEU SPRICHT MAN AUCH DARÜBER, WIE BESTIMMTE ONLINE KANÄLE FUNKTIONIEREN UND WAS DAFÜR WICHTIG IST («AUF SOCIAL MEDIA MUSST DU INTERAKTIONEN SCHAFFEN»).

KURZ: DIE STRUKTUR IST BEI VIELERORTS DIE GLEICHE GEBLIEBEN – NUR DIE KANÄLE UND DAS DAZUGEHÖRIGE KNOW HOW HABEN SICH ERWEITERT.

ABER: eine online-anzeige ist nicht die digitale variante print-anzeige. es ist ein komplett anderes werkzeug. die heutige kommunikation und das heutige marketing sind nicht nur digitaler, sondern auch vernetzter und komplexer. die alte vorstellung des marketeers, der am neusten werbespruch feilt und sich überlegt, mit welchem bild man am meisten emotionen hervorzauber kann ist nicht nur veraltet, es funktioniert in der heutigen welt auch schlicht und einfach nicht mehr.

es ist ist beispielsweise sicherlich wahr, dass es wichtig ist, menschliche gesichter zu zeigen oder grafiken farbig zu halten, weil das angeblich emotionen erzeugt – innerhalb eines ganz eng definierten kontexts, in einer ganz bestimmten situation, die nur selten vorkommt. in den meisten fällen ist dies jedoch absolut falsch und unzutreffend:

auf social media werden die menschen beispielsweise von so vielen farben und gesichtern überflutet, dass schwarz-weiss und oftmals besser funktioniert. und dass gestellt in die kamera lächelnde menschen in überbelichteten fotos heutzutage niemand mehr für authentisches und glaubwürdiges bildmaterial hält, dürfte den meisten ebenfalls klar sein.

MAN KANN marketing und kommunikation also ZWAR durchaus SO HANDHABEN, WIE MAN ES VOR FÜNFZIG JAHREN GEMACHT HAT UND ES WIRD erfolgreich sein, wenn man erfolg als «wir finden, ES ENTSPRICHT UNSERER erwartung, wie wir uns vorstellen, dass gutes marketing aussehen sollte» definiert, aber nicht, wenn man DAMIT tatsächlich etwas erreichen UND WIRKUNG ERZIELEN WILL.

zusammen mit den daten und zahlen, die im zeitalter des internets uns zur verfügung stehen, hat sich nämlich auch die definition von erfolg verändert: während man früher bei einem plakat nicht messen konnte, wie die personen darauf reagieren, hat man heute einen ziemlich genauen einblick. man weiss, wie viele personen sich ein digitales plakat angesehen habe, wie alt sie waren, welche alters- und interessensgruppen wie damit umgegangen sind, wer daraufhin sich für das produkt interessiert hat – und wer nicht.

wenn wir wissen, welche ergebnisse unsere handlungen bewirken, müssen wir aber auch dafür einstehen können. früher konnte man eine gedruckte anzeige in der zeitung schalten und einfach beobachten, was danach passiert. heute weiss man sofort, ob diese anzeige eine idee war, die dem unternehmen nur geld gekostet hat oder es seinen zielen näher gebracht hat.

das verändert den umgang und die bedeutung des marketings als solches. die art und weise wie wir es denken und wie die prozesse rund herum aussehen. man braucht neue herangehensweisen – indem man MARKETING UND KOMMUNIKATION nicht mehr im rahmen von touchpoint architekturen und kanälen denkt, sondern INTEGRATIV UND IM ZUSAMMENSPIEL MIT deR gesamten ORGANISATION und IHREN zielen, da wir nun in der lage sind, diese dinge fakten- und datenbasiert zusammenzubringen.

kurz: weg von der aktivitätsorientierten definition aus den 70er jahren und hin zu derjenigen definition, die den heutigen herausforderungen und mitteln gerecht wird. nämlich der integrativen und überfunktionalen.

BEISPIEL SCHENKER STOREN.

warum schenker storen?

schenker storen ist eins der unternehmen für die ich mal den bereich marketing und kommunikation entwickelt habe. in diesem fall: online marketing und online kommunikation.

schenker storen ist ein unternehmen aus schönenwerd im kanton solothurn. sie produzieren sonnenschutzprodukte – also storen, rollläden und markisen – und sind schweizweit marktführend in diesem bereich. man findet ihre produkte eigentlich in jeder nachbarschaft irgendwo, wenn man sich nur mal darauf achtet. meistens hängen sie dort ausserdem schon seit einer ganzen weile rum, da storen und rolläden logischerweise langjährige produkte sind, die nicht jedes jahr von neuem benötigt werden – manchmal sind sie sogar so alt sind wie das haus selbst.

den allergrössten teil ihres umsatz macht schenker storen also über diejenigen personen, die darüber entscheiden, welches sonnenschutzprodukt in einem neuen haus verbaut wird: die architekten. sie sind das, was man als die zielgruppe des unternehmens bezeichnen könnte.

wenn das unternehmen nun online marketing und online kommunikation machen will, hat es zwei möglichkeiten (eigentlich hat es nicht nur zwei, sondern tausende, aber du weisst, was ich meine):

möglichkeit 1 (aktivitätsorientiert)

man sucht sich verschiedene kanäle und überlegt sich, wie man dort die architekten vom eigenen unternehmen und den storenprodukten überzeugen kann (in fachsprache: marketing-mix oder touchpoints). anschliessend betreibt man klassisches marketing und klassische kommunikation:

  • man eröffnet einen social media kanal und veröffentlicht dort inhalte, die werbung für schenker storen und ihre produkte machen
  • man spielt den architketen (und vielleicht auch anderen personen) online-anzeigen aus, die zeigen, wie innovativ oder sympathisch das unternehmen ist und seine produkte sind
  • man geht an messen und überall sonsthin, wo sich menschen aus der baubranche befinden, und überlegt sich, wie man dort möglichst überzeugend auf sich und seine produkte aufmerksam machen kann
  • man bucht irgendwo ein plakat
  • man gestaltet eine website, wo man die vorteile des unternehmens und die produkte möglichst attraktiv in szene setzt
möglichkeit 2 (integrativ & überfunktional)

man fängt das marketing bei den unternehmszielen an, indem man sich die folgenden fragen stellt: wo wollen wir als unternehmen in einem jahr oder in zehn jahren sein? wie kommen wir dorthin? welche mittel stehen uns als unternehmen zur verfügung? wie können wir als unternehmen diese mittel nutzen, um dorthin zu kommen? auf welche art und weise müssen wir das tun, damit wir möglichst viele synergien haben und einen return of investment? welche zielgruppen sind die logische konsequenz davon?

architekten können dabei eine zielgruppe sein, müssen es aber nicht zwingend. die verschiedenen zielgruppen und kanäle sind dabei das endprodukt des marketings, nicht der ort, wo es umgesetzt wird.

im vergleich zum aktivitätsorientierten beispiel von oben bedeutet das zum beispiel:

  • man erstellt keinen social media kanal, weil man «als unternehmen im marketing-mix nun mal social media braucht», sondern weil diese massnahme einen klar erkennbaren zweck und nutzen für den unternehmenserfolg hat. die leitfrage ist hier: was habe ich als unternehmen davon, eine person zu bezahlen, diese eine sache zu tun? läuft es nur darauf hinaus, dass wir diese sache (in diesem fall: social media) gemacht haben und «im portfolio haben», oder profitiert das unternehmen auch darüber hinaus davon? was ist der return of investment?
  • man kleistert die zielgruppe der architekten nicht unüberlegt mit produkt- und unternehmenswerbung zu, sondern überlegt sich, welches vorgehen allgemein sinnvoll wäre, um ende des jahres produkte verkauft zu haben. was muss passieren, damit jemand bereit ist, freiwillig ein produkt zu kaufen? wie stellen wir diesen zustand her?
  • man geht weiterhin an messen und überall sonsthin, wo sich menschen aus der baubranche befinden, weil man merkt, dass sich diese methode nach wie vor bewährt und relevant für den unternehmenserfolg ist. vielleicht kann man diesen bereich sogar weiter ausbauen. hier kommen die daten ins spiel. sie sagen uns: was funktioniert? was funktioniert nicht? und warum ist das so? unsere aufgabe ist es dann herauszufinden, wie wir diese informationen nutzen können, um unser handeln in allen bereichen noch wirkungsvoller zu machen. was für handlungen und schritte ergeben sich logischerweise daraus für unser jetziges und zukünftiges vorgehen als unternehmen?
  • man gestaltet die website möglichst attraktiv. klar. es wäre blöd, das nicht zu tun. man geht aber strukturiet und nach einer klaren strategie vor, die nicht per standard mit «alles mit produktinformationen und eigenlob zukleistern» lauten muss. stattdessen ist die übergreifende unternehmens- und marketingstrategie entscheidend dafür, welchen fokus man auf der website legt. welchen zweck hat ein kanal? wie spielt er ins grosse ganze mit ein? wie fügt sich am ende alles zusammen? wie müssen wir diese sache aufbauen und gestalten, damit es das system ergänzt und nicht als ein alleinstehendes system fungiert? erst dann erfüllt sie wirklich ihren zweck und kann sinnvoll wirken und und dem unternehmen dienen.

dass die möglichkeit zwei nicht nur um einiges erfolgsversprechender und sinnvoller klingt, sondern auch in der umsetzung mehr spass macht als marketing im sinn von «etwas werbung schreiben» und «ein paar leute manipulieren», muss ich wahrscheinlich an dieser stelle nicht weiter ausführen.

marketing, das integrativ und überfunktional gehandhabt wird, besteht nur im letzten schritt aus einer reinen aktivitäts- und kanalfokussierten arbeit.

zuerst muss man sich gedanken über das unternehmen selbst machen und auf welchem weg man etwas erreichen möchte. darauf basierend baut man schrittweise ein konzept auf, das man anschliessend in konkrete dafür notwendige strukturen, pläne, massnahmen, workflows und prozesse umwandelt und – erst dann! – kreativ durchdacht und mit dem besten marketing- und kommunikationswissen umsetzt.

besonders wichtig sind dabei die mitarbeitenden des unternehmens. sie sind nicht nur für die umsetzung in die praxis, sondern auch für die strategie am entscheidendsten.

meistens sind es diejenigen, die selbst am oder mit dem produkt arbeiten, die das relevante wissen darüber mitbringen, wo die grössten chancen und risiken liegen. sie wissen, was die kunden sagen, was sie stört, welche abläufe nicht ideal sind oder welche ungenutzten möglichkeiten sich irgendwo zwischen den verschiedenen internen verschachtelungen und abteilungen verstecken.

idealerweise identifizieren sie sich zudem mit der strategie und tragen selbst dazu bei, dass sie erfolgreich umgesetzt werden kann.

ohne diese einbindung der gesamten organisation funktioniert das ganze zwar, besonders wirkungsvoll und erfolgsversprechend ist das allerdings nur in den seltensten fällen.

wenn das vorurteil also lautet, dass marketing «werbung schreiben» und «leute manipulieren» bedeutet, dann könnte das von der realität nicht weiter entfernt sein. wer im marketing «werbung schreibt» und versucht «leute zu manipulieren» erreicht nichts – weder für das unternehmen, noch für sich selbst.

im gegenteil sogar: wenn du mit menschen arbeiten möchtest, dann musst du was mit marketing machen. ich kenne keinen anderen job, in dem man die möglichkeit hätte, so viele verschiedene menschen kennenzulernen – von der hauswartung bis zu investoren und dem top manegement – und dafür bezahlt wird, um zu erfahren, wie sie denken, wie sie arbeiten, welche werte und vorstellungen sie haben und von ihnen zu lernen.

während meiner zeit bei schenker storen habe ich zum beispiel nicht nur erfahren, wie das storen-business funktioniert, sondern war auch in der produktion unterwegs, um das unternehmen und die produkte besser zu verstehen oder content zu produzieren. dabei habe ich dinge gelernt, die man in dieser vielfalt wahrscheinlich in keinem anderen beruf lernt:

ich habe an einem storen-montage-kurs für professionelle storenmonteure teilgenommen und dort erfahren, wie man einen rollladen montiert. war einen tag lang mit storenmonteuren unterwegs, um zu sehen woraus ihre arbeit besteht und wie man den stoff einer markise ersetzt. habe vom leiter der abteilung für pulverbeschichtung höchstpersönlich beigebracht bekommen, wie man mit einer pulverbeschichtungsanlage dinge einfärben kann und wie das techisch funktioniert – und durfte unter seiner anleitung sogar selbst mal da ran und ein stück altes metall einfärben.

und von anderen prifs habe ich gelernt, wie aus einem aluminiumband ein stück dickes metall werden kann und wie dieses weiterverarbeitet wird. und bei einem interview mit einem architekten gelernt, wie die entscheidungen bei der planung eines hauses überhaupt getroffen werden und wie das in der realität so funktioniert.

kurz: marketing ist nur dann langweilig und «böse», wenn man es falsch macht. richtig umgesetzt ist es ein hochspannender und interdisziplinärer bereich, mit dem man nicht nur wirklich was bewegen kann, sondern auch jeden tag etwas neues dazu lernt, dem man als privatperson wahrscheinlich ansonsten nie begegen würde – da lernen in dieser aufgabe nicht nur unvermeidbar, sondern ein wesentlicher bestandteil des erfolgs ausmacht.

wie kann integriertes marketing in der praxis so aussehen?

im fall von schenker storen habe ich mich dazu entschieden, die architekten nicht nur als berufsgruppe abholen, wo man hoher konkurrenz ausgesetzt ist, sondern als privatpersonen.

der grund: nach einem interview mit einem architekten habe ich verstanden, dass alle storenhersteller in der schweiz an die rund 15’000 architekten rankommen und sie davon überzeugen wollen, dass sie doch bitteschön ihre storenmarke bei zukünftigen bauprojekten verbauen sollten (ich habe die zahl gerade beim schreiben nicht genau nachgeprüft, also hängt mich nicht darauf auf).

die meisten architekten (war zumindest früher so, bin da nicht mehr up to date) haben allerdings überhaupt keinen bock über storen nachzudenken. die entscheidung, welche storen oder rolläden sie verbauen werden, treffen sie meistens irgendwann am ende des projekts und meistens nur nebenbei. vorher und dazwischen haben sie wichtigere dinge, über die sie nachdenken müssen. ausserdem haben sie meistens bereits ihre lieblingsstoren marke, der sie treu bleiben – zusätzliche werbung ändert da recht wenig.

es macht also keinen sinn, personen mit deiner produktwerbung zuzukleistern, die diese ohnehin nur genervt übersehen, weil sie bereits ihre entscheidung getroffen haben oder gerade nicht treffen wollen – und seine äpfel dort äpfel pflücken zu gehen, wo alle anderen ihre auch pflücken.

um seine unternehmensziele zu erreichen, muss man stattdessen logischerweise dorthin gehen, wo man freie hand hat und bisher die einzige relevante stimme ist. das bedeutet in diesem fall:

man nutzt die tatsache, dass kein anderes storenunternehmen bisher das thema storen und sonnenschutz kommunikativ auf eine art und weise bespielt, die es auch attraktiv, zugänglich und spannend für die normale bevölkerung abseits der industrie macht.

denn: auch architekten sind menschen und treffen ihre entscheidungen nicht nur auf den baustellen und in architekturbüros, sondern auch zuhause beim abendessen oder beim rituellen scroll durch das handy.

eine starke, allen bekannten marke hat zudem nicht nur einen psychologischen einfluss auf die finalen kaufentscheidungen – dies ist eine tatsache, die bereits im klassischen marketing bekannt ist – sondern ermöglicht auch die erschliessung von weiteren zielgruppen, die den umsatz von schenker storen steigern könnten.

wenn das thema sonnenschutz zu einem öffentlichen thema wird, kann es beispielsweise möglich sein, dass zukünftig hausbesitzer selbst einen entsprechenden einfluss ausüben und bei der auftragsvergabe selbst rollläden von schenker storen fordern – da ihnen das thema dank der öffentlichen diskussion plötzlich nicht mehr egal ist und sie damit den bisherigen entscheidungsprozess, dass über die storen erst spät im projekt und nebenbei entschieden wird, mitprägen und verändern.

wusstet ihr zum beispiel, dass ein herkömmlicher einbrecher jeden rolladen innerhalb von wenigen sekunden problemlos durchbrechen und ins haus gelangen kann? und dass schenker storen eine spezielles anti-einbruchsstore entwickelt hat, die genau das verhindern kann? kommt es also wirklich nicht drauf an, welche storen man verbaut? und macht es nicht sinn, dass man als hausbesitzer aktiv solche anti-einbruchsstoren einfordert?

sag ich doch. das ist marketing.

ein starker marketing- und kommunikationskanal mit viel reichweite (zb. ein website-blog oder hirnchemiefriteusen) bedeutet zudem auch die möglichkeit, als unternehmen den informationsfluss zu seinem thema zu steuern, weil man mit dem, was man sagt und macht, viele menschen erreicht.

damit kann man langfristig neue geschäftsmöglichkeiten gleich selbst erschaffen – und diese müssen nicht «unnötig» oder «manipulativ» sein, sondern decken sich in den meisten fällen mit dem, was tatsächlich gesellschaftlich notwendig ist. menschen sind nicht blöd. sie können ihre entscheidungen selbst treffen.

ein beispiel: sobald schenker storen genügend sichtbarkeit aufgebaut hat (durch einen reichweitestarken kanal), könnte das unternehmen seine stimme dazu nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig moderne, automatisch gesteuerte storen gegen hohen energieverbrauch und heizungskosten im winter sind. mit der richtigen smart home technik kann man nämlich die sonne arbeiten lassen anstatt die heizung. stichwort: klimaschutz und nachhaltiges bauen.

davon würde nicht nur die gesellschaft profitieren, damit auch das unternehmen die themen umrüstung und rennovationen als produkt- und dienstleistungsgruppen entsprechend erweitern und neue angebote erschliessen.

unternehmerisches denken und nützlichkeit schliessen sich nicht aus. sie gehen hand in hand miteinander. natürlich nicht immer und nicht überall. aber oft. und das darf man nicht vergessen.

ebenfalls ein thema: employee branding. das bedeutet so viel wie markenbildung durch die mitarbeitenden des unternehmens selbst. dies ist besonders relevant, wenn ein unternehmen auf neue fachkräfte angewiesen ist und deshalb menschen braucht, die dort arbeiten wollen. dafür muss man es in den kanälen, über die sich potenzielle mitarbeiter über das unternehmen informieren, attraktiv – und authentisch! – darstellen oder gleich selbst in die offensive gehen.

dieses thema dient aber auch gleichzeitig als wichtige ergänzung zum vorherigen konzept – und hier sieht man wieder, warum es keinen sinn macht, marketing nur in kanälen und in sich unabhängigen kleinen silos zu denken: die ganze marketing- und kommunikationsstrategie wirkt in ihrer umsetzung glaubhafter, wenn nicht nur ein unternehmen dahintersteht, sondern auch personen, die tatsächlich dort arbeiten – indem sie freiwllig bei all den massnahmen mitwirken. das zeigt, dass das marketing eben kein marketing, sondern die wahrheit ist. und wir glauben menschen, nicht marken.

schlussfolgerung.

marketing und kommunikation sind gut. wirklich etwas bringen tun sie allerdings erst dann, wenn man anfängt bereichsübergreifend zu denken – weg vom fach, hin zur integrierten, zielorientierten kommunikation.

oder wie ich gerne zu sagen pflege: gutes marketing oder gute kommunikation erkennt man daran, dass sie dem unternehmen langfristig gewinn bringen. nicht gewinn kosten.

sie sind auch nicht böse, manipulativ oder gegen die menschen. integrativ und unternehmerisch umgesetzt gehen sie mit ihnen statt gegen sie. und können sogar spass machen.