mehr studierende für die fachhochschule nordwestschweiz fhnw

um was es geht.

um den studiengang Wirtschaftsingenieurwesen (heute: business engineering) an der fachhochschule nordwestschweiz fhnw / hochschule für technik fhnw. er war recht unbeliebt (platz 8 oder 9 von insgesamt 9 technischen bachelor-studiengängen), dann wurde er plötzlich sehr beliebt (top 3 der erfolgreichsten studiengängen der hochschule).

was ist passiert?

warum das wichtig ist.

eine hochschule wie die fhnw wird normalerweise unter anderem durch die steuergelder finanziert und öffentlich-rechtlich verwaltet. in diesem fall sind es die sogenannten «trägerkantone» Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn.

diese kantone sind für den internen betrieb der hochschule besonders wichtig, da sie über viele wichtige dinge bestimmen können: wer bekommt wie viel geld? was erwartet man dafür von der hochschule? welche anforderungen müssen erfüllt werden?

die wichtigste anforderung sind dabei die studierendenzahlen. jede hochschule hat eine bestimmte vorgegebene anzahl an neuen studierenden, die sich pro semester neu für ein studium anmelden müssen und daran wird sie auch gemessen.

deshalb sind diese zahlen das ganze jahr über priorität nummer eins: die meiste arbeit an der hochschule – sowohl in der hochschulleitung, wie auch in den meisten anderen abteilungen – dreht sich darum, ob die zahlen im aktuellen semester voraussichtlich erreicht werden oder nicht.

was für konsequenzen drohen, wenn die zahlen nicht erreicht werden, habe ich irgendwie nie so genau herausfinden können. ich glaube, wahrscheinlich geht dann die welt unter. und das will ja keiner.

manche hochschulen haben dabei aufgrund der beliebtheit ihrer studiengänge (zb. die pädagogische hochschule der fhnw) einen überschuss an anemldungen. viele andere kämpfen dagegen damit, diese vorgegebenen ziele zu erreichen (zb. die hochschule für technik fhnw). man kann es sich ungefähr wie an der börse vorstellen, wenn die aktienkurse plötzlich kippen. nur etwas panischer.

und was ist nun passiert?

wie schön, dass du fragst. die antwort ist: ich. ich bin passiert. ist so eine art nebeneffekt meiner präsenz. ich vermute, vor einigen jahrhunderten wäre ich noch als hexe verbrannt worden, aber zum glück haben sich die zeiten geändert. hoch lebe das einundzwanzigste jahrhundert.

ich weiss, wir motzen heutzutage sehr gerne darüber, wie schlimm alles ist, aber leute, ernsthaft, habt ihr euch schon mal überlegt, wie geil es eigentlich ist, keine angst vor scheiterhaufen haben zu müssen?

die herausforderungen.

studiengänge wie Wirtschaftsingenieurwesen / business engineering haben dabei vielfältige herausforderungen:

  1. naturwissenschaftlich-technische studienfächer leiden nach wie vor allgemein unter fachkräftemangel
  2. man meldet sich nicht an einer hochschule an, nur weil man irgendwo hierzu eine attraktive werbung gesehen hat – es ist eine grosse lebensentscheidung und keine tafel schokolade
  3. wenn sich jemand für ein studium entscheidet, dann eher für einen bekannten und erfolgsversprechenden studiengang wie informatik oder maschinenbau und nicht für eine eher unbekannte richtung wie «Wirtschaftsingenieurwesen» / «business engineering»
  4. die angst vor mathematik schreckt nach wie vor viele technisch versierte menschen ab, die eigentlich interessiert an einem studium wären («ich könnte schon, wäre da nur nicht mathe…»)
  5. es reicht nicht aus, dass sich jemand für einen studiengang anmeldet – die studierenden müssen das studium auch bis zum ende durchzuziehen und es nicht bereits nach den ersten zwei semestern wieder schmeissen (oder geschmissen werden – weil mathe)

ergo: man muss wege finden, um diesen herausforderungen entgegenzutreten. hierzu braucht es viel analyse und strategie, aber auch kreativität, einfühlungsvermögen und verständnis für menschen und menschliche lebensrealitäten generell.

die antworten.

naturwissenschaftlich-technische studienfächer leiden unter fachkräftemangel

man kann den fachkräftemangel nicht wegzaubern, sondern muss mit ihm arbeiten. wenn es schlicht und einfach zu wenig personen gibt, die am technischen bereich interessiert sind, wird noch mehr werbung für den studiengang selbst das problem auch nicht lösen.

ein wichtiges ziel der wie-kriegen-wir-mehr-studierende-strategie muss es also sein, personen für den entsprechenden fachbereich zu begeistern – und erst dann für den studiengang an sich.

das potenzial liegt dort, wo sich menschen befinden, die zwar ein interesse für logische und technische fragestellungen mitbringen, aber noch nie wirklich darüber nachgedacht haben, dass dies mehr als eine persönliche eigenschaft («ich bin halt mehr so der logische typ») sein könnte.

diese personen haben wahrscheinlich noch nie darüber nachgedacht, dass sie ein talent haben und so ein studium ein möglicher karriereweg sein könnte, obwohl es super zu ihnen passen würde. wenn man sie erreicht, entsteht eine win-win-situation.

und das ist das, auf was wir immer hinauswollen, wenn es um solche themen geht: win-wins. die besten kunden sind jene, die aufgeklärt und nicht überzeugt werden müssen.

ein studium ist eine grosse lebensentscheidung und man meldet sich nicht an einer hochschule an, nur weil man eine werbung gesehen hat

wenn ein studium eine grosse lebensentscheidung ist, dann ist es auch eine recht dumme entscheidung darauf zu setzen, dass jemand spontan eine werbung oder die website sehen und «oh, das klingt aber nett, lass mich da kurz anmelden» finden wird.

man muss sich also bewusst an diejenigen personen richten, die hierzu bereits in irgendeiner form – ob bewusst oder unbewusst – bereit sind. dafür muss man diese zielgruppen erstmal gut kennen, genau analysieren und verstehen. das bedeutet: man definiert verschiedene zielgruppen und richtet seine gesamte kommunikation bewusst nach ihnen aus. in diesem fall:

a) menschen, die bereits aktiv den entschluss gefasst haben, nächstes jahr ein studium im technischen bereich anzufangen

b) technisch-logisch versierte menschen, die eines tages studieren wollen, aber keinen fixen plan haben («irgendwann mal in den nächsten jahren oder so»)

c) technisch-logisch versierte menschen, die nicht vor haben zu studieren, es aber auch nicht per se ausschliessen würden, wenn sie eine genügend attraktive möglichkeit vor sich haben

wer nicht zur zielgruppe gehört: menschen, die keinerlei interesse an einem studium haben und das wahrscheinlich auch nie haben werden. das ist wichtig, weil wir schweizer ein problem damit haben, nicht allen gleichzeitig gefallen zu können. deshalb kommunizieren wir am ende so, damit möglichst alle gleichzeitig abgeholt werden und erreichen damit am ende niemanden. was nicht das ziel ist. wir wollen gehört und nicht ignoriert werden. richtig?

wenn man sich für ein studium entscheidet, dann für eine bekannten und erfolgsversprechende richtung wie informatik

wenn sich technisch interessierte personen eher für maschinenbau oder data science entscheiden, weil sie nicht verstehen, was Wirtschaftsingenieurwesen überhaupt bedeuten soll, muss man halt dafür sorgen, dass das zukünftig eindeutig ist. das thema und der wert des fachbereichs müssen auf den ersten blick klar sein und mit den «grossen» studiengängen mithalten können.

das bedeutet: man muss sich wirklich damit auseinandersetzen, was diesen fachbereich ausmacht. was ist seine identität? sein charakter? wo liegt hier die substanz? was macht ihn wirklich aus, macht ihn einzigartig, besonders? und wie kommunizieren wir das so, dass das die menschen dort draussen ebenfalls nachvollziehen können?

die angst vor mathematik schreckt nach wie vor viele menschen ab

manche ängste sind berechtigt und es ist eine tatsache, dass der schwierigkeitsgrad von hochschulmathematik oft der grund ist, warum menschen in technischen studienfächern das studium vorzeitig abbrechen müssen. es ist also nicht im interesse der hochschule, menschen fälschlicherweise davon zu überzeugen, dass es ein kinderspiel sein wird – nur damit sie ein halbes jahr später von der schule fliegen, da sie die anforderungen unterschätzt haben.

man kann aber zeigen, dass es an der hochschule zahlreiche unterstützungsangebote gibt und es viele personen gibt, die es trotzdem geschafft haben. das ist ehrlich, glaubhaft und kann der angst nachhaltig entgegenwirken.

das ergebnis.

die strategie hat funktioniert: der studiengang business engineering stieg innerhalb nur eines semesters vom unbeliebtesten studiengang zu den top 3 beliebtesten studiengängen der hochschule auf.