wie man erfolgreich ein unternehmen finanziert

um was es geht.

darum, wie man ein unternehmen finanzieren kann. in diesem fall: pakka.

wer ist pakka?

pakka ist ein unternehmen, das biologisch produzierte und fair gehandelte Snacks vertreibt. Man findet sie zum Beispiel in Form von Nüssen im Coop.

die situation.

In diesem Fall geht es um das Projekt Kardianuts: Bei diesem teilUnternehmen baut pakka in einer wirtschaftlich schwachen gegend in Kolumbien eine nachhaltige Modellfarm («regenerative Landwirtschaft») für Cashewnüsse auf. Das Wissen darüber wird dabei an die örtliche Bevölkerung weitergegeben, damit sie es zukünftig selbständig anwenden können und damit eigene Farmen aufbauen können.

Ziel ist es, auf diese weise ein stabiles System mit hoher Biodiversität, fruchtbaren Böden und damit auch guter Produktivität zu entwickeln und damit auch wirtschaftlichkeit, nachhaltige Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze in die Region zu bringen.

eigentlich ist es also eine art mischung zwischen unternehemen und ngo. ein unterngohmen also.

habe ich schon mal erwähnt, dass ich es liebe, neue begriffe zu erfinden? nicht? jetzt schon.

auf jeden fall braucht die Weiterentwicklung und Erweiterung der Farm Geld. das ist sowohl bei unternehmen, wie auch bei unternehmen üblicherweise so.

die antwort.

das geld soll in erster linie via Crowdinvesting gesammelt werden. das ist eine art crowdfunding ist, nur eben kein crowdfunding, sondern crowdinvesting. diesen begriff habe wiederum nicht ich erfunden. den gab es schon vorher.

das bedeutet: menschen können via crowdinvesting-plattform swisspeers.ch einen beliebigen betrag in das unternehmen investieren (mindestbetrag: 1’000 chf). dafür erhalten sie das geld später mit zinsen (ca. 3-4%) zurück.

während der laufzeit des corwdinvestings (ca. 3 wochen) müssen die menschen auf die aktion aufmerksam gemacht werden.

Ziel ist es dabei, mit möglichst wenig ausgaben (das geld soll schliesslich hauptsächlich bei der farm landen und nicht schon bereits vorher für werbung aufgebraucht werden) massnahmen zu entwickeln (aka eine «kampagne»), um innerhalb von wenigen Wochen eine die benötigte Geldsumme zu erreichen.

in diesem fall: eine recht komplexe, aber echt geile omnichannel / crosschannel crowdinvesting kampagne in mehreren phasen. falls du nicht weisst, was diese abfolge von begriffen bedeuten soll, ist das übrigens egal. halt eine kampagne über verschiedene kanäle hinweg. kurz gesagt.

Strategie.

hierzu habe ich die folgende strategie entwickelt, die sich als recht erfolgreich erwiesen hat, weshalb ich sie später im rahmen von kampagnen für andere unternehmen entsprechend weiterentwickelt und optimiert habe. sie funktioniert wie folgt:

1. phase

die erste phase ist die testphase. das bedeutet: während einer woche werden mit einem kleinen Teil des Budgets kostengünstig verschiedene Kombinationen von Creatives, Strategien und Zielgruppen auf verschiedenen Plattformen getestet.

Grund: Reduktion von Streuverlust. das vorhandene werbebudget soll in etwas investiert werden, das tatsächlich Ergebnisse einbringt – und nicht an Massnahmen verschwendet werden, die keine Investitionen einbringen. dies ist übrigens nicht für pakka und andere unterngohmen sinnvoll, sondern grundsätzlich für jede organisation und jedes unternehmen, das effizient wirtschaften will.

ich nenne es «das zalando-prinzip»: dort würde schliesslich auch keine sau einkaufen, wenn man die kleidung bereits bei der bestellung bezahlen und nicht wieder zurückgeben dürfte. aber wenn es um um marketing und werbung geht, sind plötzlich die gleichen schlaumeier totale fans vom geld-aus-dem-fenster-werfen.

man merke: was du nicht willst, dass zalando tut, tu auch deinem unternehmen nicht zu.

so. weiter im text.

2. phase

In der zweiten Phase werden von mir die Daten aus der ersten Phase ausgewertet:

  • Auf welchen Plattformen und in welcher Reihenfolge sehen die Menschen all die werbeanzeigen und andere massnahmen?
  • Wie reagieren sie darauf?
  • was ist der wahrscheinlichste grund, warum sie so reagieren, wie sie reagieren?
  • Wie hängen die verschiedenen bespielten Kanäle zusammen?
  • welche Wechselwirkungen gibt es dabei?
  • Was für eine User Journey kann man daraus ableiten?
  • Welche Texte und Visuals sind gut, welche nicht?
  • warum sind die texte und visuals, die gut sind, gut und diejenigen die nicht gut sind, nicht gut?
  • Was für Rückschlüsse und Optimierungsmöglichkeiten lassen sich von all den gesammelten Daten ableiten?

Grund: wir wissen nun, was wir machen müssen und warum. nicht weil das fünfzig jahre alte schulbuch x es so sagt oder peter peterson aus der buchhaltung das super toll findet, weil seine fünfjährige nichte letztens beim abendessen gesagt hat, dass sie das super toll findet und sie ja schliesslich ein total super tolles mädchen ist, sondern weil es das ist, was uns zum ziel führt.

reminder: wir sind ja schliesslich erwachsen.

3. phase

Basierend auf den gewonnenenenenen Zahlen und Erkenntnissen werden die Creatives und Massnahmen aus der Testphase optimiert und neu zu einer vernetzten, aufeinander aufbauenden omnichannel Hauptkampagne aufgebaut. Diese läuft anschliessend normal über mehrere Wochen hinweg mit dem restlichen – und grössten teil – des Werbebudgets.

resultat.

meistens recht geile scheiss. man erreicht die kampagnen- und unternehmensziele mit einem minimalen einsatz von ressourcen. was super ist. ausser du musst möglichst viele ressourcen verbrauchen, weil du ansonsten nächstes jahr nicht mehr das gleiche hohe budget genehmigt bekommst oder irgend ne super wichtige person der meinung ist, dass du dir nicht genug mühe bei der arbeit gegeben hast, weil du nicht genug geld ausgegeben hast. ja, das gibt es tatsächlich. also nicht bei pakka, die sind echt cool. aber in vielen anderen organisationen. und zwar viel öfters als ihr denkt…

sehr wichtige zwischenfrage.

interessante bonusinformation: die erfolgreichste massnahme.

Die Kampagne beinhaltete nebst klassischen Anzeigen auch einen innovativen teil: den Fake-Webshop. Dafür gestaltete ich einen Online-Shop mit schönen und nachhaltigen, aber absurd überteuerten Produkten. Für die unwissenden shop-Besuchenden sah er absolut echt aus – mit echten Produkten, echten Bewertungen und einer überzeugenden Markengeschichte.

Sobald man allerdings auf ein Produkt klickte, wurde man auf eine Unterseite des Shops weitergeleitet, in der das Ganze tramtamtam aufgelöst wurde: Man wurde damit konfrontiert, dass der Shop nur ein Fake ist und man das Geld, das man bereit war auszugeben, doch lieber in etwas wirklich Nachhaltiges und nützliches stecken sollte – nämlich das Pakka-Projekt.

Die Idee: wer beim (wunsch-)Kauf eines überteuerten und nachhaltigen Dekoprodukts erwischt wird und dabei direkt mit den Konsequenzen des eigenen Konsums konfrontiert wird, ist eher dazu bereit, dieses Geld stattdessen in etwas zu investieren, was tatsächlich dem eigenen Anspruch an «der Welt etwas Gutes tun» entspricht. Halt Psychologie und so. die übrigens super funktioniert hat:

Der falsche Webshop führte zur höchsten Investitionsrate der gesamten Kampagne und war damit die mit Abstand erfolgreichste Massnahme. keine andere zielgruppe sah sich das crowdinvesting und die informationen zum pakka-projektso lange an wie die ehemaligen shop-besuchenden: diese verbrachten bis zu 700% (!) mehr zeit auf der zielseite als der rest.

persönliches fazit.

ich sollte echt aufpassen, für wen ich arbeite.

bilder.